Von der Langsamkeit

Etwas langsam zu machen oder langsam zu sein, langsam zu sprechen oder langsam zu denken, langsam zu reifen, langsam zu gehen – das wird in einer Zeit der Schnelllebigkeit, vermeintlichen Grenzenlosigkeit und der stetig wechselnden Reize vielfach abwertend betrachtet.

Schnell soll man antworten über WhatsApp und co. Schnell soll die Lieferung eintreffen und schnellstmöglich sollen die materiellen Ziele im Leben erreicht und erfüllt werden. Schnell sollen Schmerzen vergehen und schnell soll man sich aufregen. Schnell soll man vergessen, schnell soll man Resultate liefern und der oder die Schnellste gewinnt.

Schnelligkeit gibt es ohne Langsamkeit nicht – und Langsamkeit nicht ohne Schnelligkeit. „Meditiere jeden Tag 20 Minuten, es sei denn, du hast keine Zeit, dann meditiere eine Stunde“, heißt es im Zen.

Letztlich geht es aber nicht um Schnelligkeit oder Langsamkeit, sondern um die Wertung dieser beiden Zustände. Warum soll das eine per se schlecht, das andere per se gut sein? Das ist bloß ein festgesetztes Gedankenspiel im Geist (das sich zumeist auch in Qi und Körper zeigt). Es ist große klasse, schnell unterwegs zu sein – auf einer Welle surfend oder mit dem Tanzpartner durch den Raum wirbelnd. Und der Genuss der Langsamkeit findet sich in den langsamen Ausführungen im Taiji Quan, beim allmählichen Erklimmen eines Wanderwegs oder dem langen Kochen einer nährenden Suppe über Nacht. Im Geist liegt der Schlüssel. Deshalb:

Meditiere jeden Tag 20 Minuten, es sei denn, du hast keine Zeit, dann meditiere eine Stunde.

Veröffentlicht von

Katja

Floating water does not decay.

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