Vom Wohlbefinden

Was bedeutet ‚Wohlbefinden‘? Oft fällt der Begriff ‚well-being‘, auf Deutsch also Wohlbefinden, in verschiedensten Zusammenhängen: mit Arbeit, Privatleben, Freizeitgestaltung, Urlaub, Work-Life-Balance, psychischer Gesundheit, physischer Gesundheit, Wellness – die Liste lässt sich beliebig verlängern. Für mich heißt so eine vielfältige Verwendung von Begriffen meistens, dass sie inhaltsleer und bedeutungsarm, ja beliebig werden. Das hat oft weniger mit Begriff selbst zu tun, als vielmehr zum Beispiel mit einem gesellschaftlichen Wandel, und drückt eine Form des Mangels aus.

Was bedeutet für Dich Wohlbefinden? Wann fühlst Du Dich tatsächlich wohl? Oder auch: Wann fühlst Du Dich unwohl? Was ist wohltuend?

neugierig 🙂

Die Antworten auf diese Fragen sind bunt und vielfältig und können den Begriff wieder mit Bedeutung füllen. Es liegt an jedem einzelnen bzw. jeder einzelnen von uns, Sinn zu geben und Form zu füllen – anstatt das Korsett zu tragen, das einem ja ganz gerne mal gesellschaftlich, sozial, familiär, wertemäßig angelegt wird. Frei zu atmen. Da zu sein.

Für mich meint ‚Wohlbefinden‘ immer etwas Ganzheitliches, ein Zustand, der das ganze Wesen erfasst, und nicht nur einen Teil, zum Beispiel die Sinne. Balance, Freiheit, Authentizität und Harmonie.

Von den Ursprüngen des Shiatsu

„Shiatsu“ ist eine moderne japanische Bezeichnung für eine Anwendungsform, die weit in die Geschichte zurückreicht. Von der Akupunktur weiß man, dass sie bereits vor 4000 bis 6000 Jahren mittels Steinnadeln praktiziert worden ist. Man nimmt an, dass Massage noch früher angewendet wurde, da sie dem Menschen zur Heilung intuitiv zugänglich ist.

China, das Reich der Mitte

Shiatsu geht auf alte chinesische Techniken zurück, Daoyin und Tuina Anmo.

Daoyin (oder japanisch: Do-In) ähnelt Yoga, Tuina Anmo (japanisch: Anma) lässt sich mit westlicher Massage vergleichen.

Das chinesische medizinische Wissen, der Daoismus und auch der Buddhismus sind etwa im 10. Jh. n.Chr. nach Japan gekommen.

Sakura, die Kirschblüte, markiert den Beginn des Frühlings im japanischen Kalender.

Traditionell war Anma in Japan ein Blindenberuf, da es einen besonders ausgeprägten Tastsinn erfordere. Das ist mittlerweile nicht mehr so. Das heutige Shiatsu ist eine relativ junge Kunst, aus dem 20. Jahrhundert stammend, die sich auf ihre therapeutischen Ursprünge zurückbesinnt – in Abgrenzung zu Anma, das vielfach nur zur Erholung und Entspannung, sozusagen als „Wellness“ angewendet wird. 

Um die Wirkweisen von Shiatsu in der Tiefe zu verstehen und die Massage entsprechend richtig zu praktizieren, nicht als bloße Mechanik, braucht es die Auseinandersetzung mit dem Daoismus.

Es sind gerade das Zusammenspiel der Kulturen und das alte Wissen um die Wirkweise von Berührung sowie Lebensart – insbesondere im Kontrast zu unserer heutigen schnelllebigen und zunehmend digitalisierten Gesellschaft –, die mich immerzu faszinieren.